„Urban Mining – Ressourcen aus Abfall“

Zum 16. Mal fand am 4. September 2026 die Fachtagung WASTEvision zum Thema „Urban Mining – Ressourcen aus Abfall“ in Rapperswil statt. Unter dem Titel „Abfallwirtschaft 2035“ fokussierte die Tagung auf die bisherigen Erfolge der Abfall- und Ressourcenwirtschaft sowie die Frage, welche Kreisläufe künftig geschlossen werden sollen und wo technische, ökologische und wirtschaftliche Grenzen liegen. Organisiert wird die WASTEvision von der Umtec Technologie AG in Zusammenarbeit mit dem Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik UMTEC der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Als Lokalität dient traditionell der Campus der wunderschön gelegenen Fachhochschule.

Den Auftakt machte Christiane Wermeille, Abteilungschefin Abfall und Rohstoffe beim Bundesamt für Umwelt BAFU. Sie zeigte auf, wie sich die Schweizer Abfallpolitik von der reinen Abfallbeseitigung hin zu Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft entwickelt hat. Recycling allein genügt dabei nicht: Gefordert ist ein ganzheitlicher Blick auf den gesamten Lebenszyklus.

Anschliessend blickte Martin Schaub, Geschäftsführer der MS Engineering GmbH, auf 35 Jahre internationale Erfahrung in der Abfallwirtschaft zurück. Seine Quintessenz: Nur wo Kapital leicht verfügbar ist, ist eine langfristige Planung möglich. Pragmatismus verhindert Fehlinvestitionen und erhöht die Chance, dass neue Lösungen tatsächlich umgesetzt werden.

Nach der Kaffeepause zeigte Rainer Bunge, Professor a.D. der OST, wie Recyclinganlagen künftig wirtschaftlich selbstoptimierend betrieben werden könnten. Prozessmodelle, Sensorik und selbstlernende KI sollen die Anlage laufend an Material, Anlagenzustand und Marktpreise anpassen und so selbstständig das wirtschaftliche statt eines rein technischen Optimums suchen.

Dominic Utinger vom Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft präsentierte Erkenntnisse aus dem Projekt „BatZink“. Er erläuterte, dass sich Batteriereste aus KVA-Eisenschrott technisch machbar und wirtschaftlich tragbar entfernen lassen. Dadurch können Rohstoffe zurückgewonnen und Umweltbelastungen bei der Verwertung des KVA-Eisenschrotts reduziert werden.

Danach thematisierte Robin Quartier, Geschäftsführer des VBSA, den Widerspruch zwischen gesellschaftlich gewünschten Umweltzielen und der Bereitschaft, deren Kosten zu tragen. Er warnte vor „Greenwishing“: Ziele und Vorschriften bringen wenig, wenn technische Umsetzbarkeit, Finanzierung, Verantwortlichkeiten und Vollzug nicht geklärt sind.

Nach der Mittagspause ging Martin Däscher von der Fachstelle Rohstoffe und Recycling an der OST der Frage nach, welcher Kreislauf als Nächstes geschlossen werden sollte. Neben grossen Stoffströmen wie Bauabfällen, Aushub, Ausbauasphalt, Kunststoffen und KVA-Rückständen gewinnen kritische Rohstoffe an Bedeutung. Entscheidend sei dabei der Gesamtnutzen des Kreislaufs, nicht dessen Popularität.

Thomas Pohl, Bereichsleiter Umweltberatung bei der Umtec Technologie AG, richtete den Blick auf die Bauwirtschaft, aus der mehr als 80 Prozent der Schweizer Abfallmengen stammen. Anhand verschiedener Baustoffe zeigte er, dass auf dem Weg zu Netto-Null zahlreiche Hebel bestehen – von Recycling und CO2-ärmeren Materialien bis zu erneuerbaren Energien und Kohlenstoffspeicherung.

Zum Abschluss thematisierte Christina Stadler vom AWEL des Kantons Zürich den heutigen Umgang mit Alttextilien. Anstelle von Downcycling soll auch hier ein möglichst geschlossener Kreislauf etabliert werden. Der Weg zum Faser-zu-Faser-Recycling führt über Transparenz bei der Sortierung, bei den Abnehmern und den tatsächlichen Verwertungswegen.

Im Anschluss an die Fachbeiträge bot die gemeinsame Schifffahrt bei strahlendem Spätsommerwetter von Rapperswil nach Zürich Gelegenheit, die Diskussionen mit den Referierenden und anderen Teilnehmenden in informellem Rahmen weiterzuführen.